Ethische Grundregeln
Da er mit zwischenmenschlicher Kommunikation zu tun hat, hat der Beruf Redenschreiber seine spezifischen ethischen Grundregeln. Diese basieren auf der jeweils zu tragenden Verantwortung gegenüber Dritten. Beim Redenschreiben dreht sich alles um die Wirkung des gesprochenen Wortes. Es ist kein Geheimnis, wie groß und folgenschwer die Worte eines Redners sein können, wenn sie seine Zuhörer erreichen und beeinflussen. Und zwar sowohl im positiven als auch im negativen Sinne. Bereits in der Antike haben berühmte Redner es geschafft, die Menschen in ihren Bann zu ziehen, sie zu überzeugen, ihnen bestimmtes Denken zu suggerieren und sie zum bestimmten Verhalten zu bringen. Die menschliche Geschichte kennt unzählige Beispiele dafür.
Die Ethik für den Redenschreiber umfasst vorrangig die Verantwortung gegenüber dem Redner und seinem Publikum. Dazu gehört auch die Verantwortung gegenüber den so genannten Multiplikatoren, jene Gruppen Menschen, die Reden aus beruflichen oder persönlichen Gründen hören oder lesen, um ihren Inhalt und Wirkung nebst eigener Meinung an die breite Öffentlichkeit weiter zu geben. Das sind die an erster Stelle die Journalisten und die Wissenschaftler, aber auch die Minderheiten.
Dem Redner gegenüber hat der Redenschreiber die Verpflichtung, eine gute Rede zu liefern. Dabei wird die Qualität der Rede an deren Wirkung auf die Zuhörer gemessen. Die Merkmale der guten Rede sind: brillant definierte Botschaften, richtige, verstehbare und optimal formulierte Inhalte, Einbeziehen der Interessen des Redners und der Zuhörer, des Anlasses und der Rahmenbedingungen.
Den Zuhörer gegenüber muss der Redenschreiber zudem die Grundregeln erfüllen: ihnen die Mission der Rede vermitteln, für diese überzeugend argumentieren, perfekte Informationen und Beispiele liefern, sie dazu bringen, der Rede interessiert zu folgen. Erreichbar sind diese Ziele durch Gespräche mit dem Redner als Auftraggeber über die Anliegen der Zuhörer. Exzellent ist die Rede, die interessiert bis zum letzten Wort verfolgt wird, weil sie am Anfang Probleme darlegt und Fragen stellt, Spannung aufbaut, Neugier erweckt und am Ende die Problemlösungen präsentiert.
Den Multiplikatoren gegenüber ist eine Rede gut, wenn sie den gesamtgesellschaftlichen Werten entspricht. Für die Redenschreiber bedeutet das, dass sie die freiheitlich demokratische Grundordnung verteidigen müssen.


